Schloss und Kirche zu Taubenheim

Schloss und Kirche zu Taubenheim, Foto: Eike von Watzdorf, 2025
Schloss und Kirche zu Taubenheim, Foto: Eike von Watzdorf, 2025

Schloss Taubenheim

Das erhöht über dem Dorf thronende Schloss steht auf einer Felskuppe die nach Westen, Norden und Süden steil abfällt und von zwei Taleinschnitten begrenzt wird. Das Schloss besteht aus einer unregelmäßigen Vierflügelanlage, deren Flügel sich mit unterschiedlichen Dachhöhen um einen trapezförmigen Innenhof gruppieren. Die ältesten Teile des Schlosses werden auf das frühe 16. Jahrhundert datiert. Es kann aber davon ausgegangen werden, dass an dieser Stelle schon seit dem 12. Jahrhundert ein Herrensitz, möglicherweise in Form einer Höhenburg, bestand. Angefangen mit Adelbertus de Duvenheim konnte sich hier die Familie derer von Taubenheim fast dreihundert Jahre lang halten. Nachfolgend kamen Dorf und Herrensitz in die Hände verschiedener adliger Besitzer. 1821 kauft Hofrat Tauchnitz, ein Angehöriger der seinerzeit weithin bekannten Buchhändler- und Verlegerfamilie, als erster bürgerlicher Besitzer das Schloss. Unter ihm wurden um 1825 der klassizistische Gartenpavillon, der terrassierte Südhang und ein Landschaftspark mit exotischen Gehölzbeständen angelegt.
Anfang des 20. Jahrhunderts ließen Franz Eduard Julius und dessen Sohn Gottfried Walter Kaempfe, Fabrikbesitzer mit Wachstuchfabriken in Großenhain und Turin, das Schloss durch das renommierte Architekturbüro Lossow & Kühne (u. a. Schauspielhaus Dresden und Empfangshalle Hauptbahnhof Leipzig) aufwändig sanieren und den Bedürfnissen an den Wohnkomfort des frühen 20. Jahrhunderts anpassen. Dabei wurden Teilbereiche der Fassade in ihrer auch heute noch erhaltenen Gestalt im neugotischen Stil mit Einflüssen des Jugendstils überformt.

Während der Kriegswirren wurde das Schloss als Ausweichlager für die Sächsische Landesbibliothek genutzt. Nach 1945 diente es zunächst als Landschulheim, dann als Kurheim für Tuberkulosekranke. Nachfolgend, bis zu seinem Leerstand ab 2001, erfüllte es die Funktion eines Altenpflegeheims. 2004 wurde das Schloss Taubenheim aus dem Besitz des Landkreises an einen Privateigentümer veräußert, der es 2023 dann seinerseits verkaufte. Ungeachtet seiner bewegten Geschichte als Herrschaftssitz, kulturellem und geistigem Mittelpunkt des Ortes sowie seiner Bedeutung als landschaftsprägendes und denkmalgeschütztes Architektur- und Parkensemble steht das Gebäude seit 2004 leer.  Ingeborg Schwarzwälder, 2024

Die Kirche zu Taubenheim

Auf einer Anhöhe oberhalb der Kleinen Triebisch befinden sich neben dem Schloss, die Kirche, das Pfarrhaus und das Pfarrgut. Taubenheim selbst wurde erstmals urkundlich 1186 erwähnt. Wann die Kirche von Taubenheim erbaut wurde, ist nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Das Kirchengebäude enthält zahlreiche Elemente, die von seiner langen Geschichte erzählen. 

Der mit einem kunstvollen Zellengewölbe ausgestattete Chorraum stammt ungefähr aus dem Jahr 1515. Vermutlich hat ein Schüler des Arnold von Westfalen, ein Baumeister der Albrechtsburg Meißen, daran mitgewirkt. 

Der Taufstein, Altar und Kanzel wurden um 1600 von Hans Köhler dem Älteren, einem bekannten Meißner Künstler, aus Sandstein gefertigt. Bemerkenswert sind die Darstellungen an den sechs Seiten des Taufsteins, wobei die Ausgestaltung der Sintflut Geschichte und der Durchzug der Israeliten durch das rote Meer besonders zu nennen sind. Alle Sandsteinreliefs sind farbig gearbeitet. Der Altaraufsatz enthält Reliefs mit Szenen aus dem Leben Jesu. Als oberstes Bild strahlt über allem der auferstandene Christus mit der Siegesfahne.
Etwa 50 Jahre später, nach dem Ende des 30-jährigen Krieges, stifteten Mitglieder der Kirchgemeinde eine aufwändige Bemalung der Holzdecke des Kirchenschiffes, die von dem Maler Jonas Eiwigk aus Pirna ausgeführt wurde. Auf den Feldern sind Personen aus dem alten und neuen Testament, sowie Engel und Ornamente abgebildet. Ebenso sind die Namen der jeweiligen Stifter verzeichnet und noch heute deutlich zu lesen, ebenfalls aus dem 17. Jahrhundert stammt der Dachreiter.
Die mechanische Uhr aus dem Jahr 1787 ist heut noch in Gebrauch. Taufstein, Kanzel, Altar und Deckenbemalung wurden 1992 restauriert bzw. konserviert. Später wurde das Kirchendach neu eingedeckt sowie das Geläut erneuert. Die Orgel, 1867 von der Firma Friedrich Jahn & Sohn gebaut, konnte restauriert werden. In den vergangenen Jahren entstand unter der Orgelempore ein abgetrennter Bereich zur Nutzung für Gemeindeveranstaltungen. Ingeborg Schwarzwälder, 2024