"Aber das ist hier nicht so gewesen, dass man einen Bauernhof gehabt hat von den Urgroßeltern und der wurde weitergeführt. Sondern wir waren alles Leute, die neu angefangen haben. Und alles Leute mit einer . . . also mit dieser Bürde oder mit dieser Herkunft 'Sozialismus'."
Michael Schwarzwälder, 2008
Landwirtschaftlich genutzte Fläche
145 Hektar, davon 98 (28,8) Hektar Feldfutterbau und Getreide,
35 (11,2) Hektar Grünland
Viehbestand
50 Milchkühe (Holstein Friesen, Braunvieh), ca. 40 (?) Jungtiere
Hofbäckerei
ca. 240.000 Brote/Jahr, ca. 450.000 Brötchen/Jahr
Vierteilige Fruchtfolge 1991
Weizen, Roggen, Hackfrucht und Kleegras
1991 - Übernahme des Pfarrguts im Rahmen der Pacht
1991 - 20.000 DM Zuschuss vom Ökofonds KFH Wittenberg
1992 - Start der Hofbäckerei
2000 - Molkerei in Betrieb genommen
2009 - Preisträger beim Bundeswettbewerb Ökologischer Landbau
2016 - 2. Generation übernimmt die Betriebsleitung
2023 - Bäckerei und Hofladen im neuen Haus
Von Dresden nach Taubenheim
Ingeborg und Michael Schwarzwälder haben sich beim "Ökologischen Arbeitskreis der Dresdner Kirchgemeinden" kennengelernt, wo sie im Mai 1989 zu den beiden Leitungssekretären des neu gegründeten Arbeitskreises "GAIA - Arbeitsgemeinschaft für ökologischen Landbau in der DDR" gewählt wurden (mehr . . .). In dieser Zeit leitete Ingeborg Schwarzwälder noch die Gärtnerei des Stadtmissionsheims "Pniel" in Dresden-Loschwitz (mehr . . .) und Michael Schwarzwälder hatte einen eigenen kleinen Hof in Dresden-Goppeln. Im Rahmen ihrer Arbeit für den Arbeitskreis suchten sie Kontakt zu den Entscheidungsträgern der kirchlichen Landwirtschaft, um sie zur Umstellung auf eine ökologische Landwirtschaft zu bewegen. Zunächst waren die Gespräche ohne Erfolg, bis ihnen dann im November 1990 das Pfarrgut Taubenheim zur Pacht angeboten wurde. Noch im Januar 1991 zogen sie nach Taubenheim und begannen das Pfarrgut zu bewirtschaften. Zu den Beweggründen äußerte sich Michael Schwarzwälder später wie folgt: "Das eine war, dass wir uns gerne selbständig machen wollten und eigentlich wirklich praktisch beweisen wollten, weil ja nun hier, vor allem auch die Kirche sagte: 'Ökologischer Landbau geht nicht und das rechnet sich nicht und da kommt nichts dabei raus und das sind alles nur Körnerfresser und die nagen alle am Hungertuch', und so weiter. und das wollten wir schon lieber auch wirklich beweisen mit unserer Hände Arbeit, dass das auch geht, dass man das machen kann." Quelle: Diplomarbeit Daniel Wolf, 2010
Betriebskonzept und Aufbaujahre
Getragen von der Vision des ökologischen Landbaus war der Plan, hofeigenes Getreide in einer Bäckerei selbst zu Bio-Backwaren zu verarbeiten. Nach den Vorstellungen des gelernten Bäckermeisters
Michael Schwarzwälder sollte die Hofbäckerei Herzstück des Betriebes werden, was auch bald gelang. Mit insgesamt sieben angestellten Bäcker wird bis heute in zwei Schichten gearbeitet, wobei
Brote und Brötchen hauptsächlich von der Nachtschicht gebacken werden. Die Bäcker der Tagschicht bereiten Teige vor und stellen Dauergebäck her. Hier wird vieles von Hand gemacht: Teige gemischt,
Kekse gebacken, Brote geformt. Um das Betriebskonzept abzurunden, entstand im Jahr 2000 eine kleine Hofmolkerei, in welcher Trinkmilch der hofeigenen Milchkuhherde abgefüllt wird. „Brot und Milch
vom Bauernhof“, so lautet seitdem der Slogan. Auf den Betriebsflächen werden verschiedene Getreidesorten für die Hofbäckerei und Futtergetreide für die Milchkühe angebaut. Kleegras und
Zwischenfrüchte dienen zum Aufbau der Bodenfruchtbarkeit. Die horntragenden braunen und schwarzbunten Milchkühe leben in einer großzügigen Stallanlage mit Strohliegeflächen und Laufhof.
Gäa-Betrieb seit 1991
Von Anfang an wurde nach den Richtlinien des ökologischen Anbauverbandes Gäa e.V. gearbeitet, der aus dem Dresdner Arbeitskreis 1991 entstand. Auch wenn Ingeborg und Michael Schwarzwälder durch
die Übernahme des Pfarrguts keine Zeit mehr für die aktive Verbandsarbeit hatten, engagierten sie sich noch viele Jahre weiter im Vorstand des Vereins. Der Gäa e.V. war bis 19??
mit seinem Büro im Pfarrgut präsent.
Neuere Geschichte
Seit September 2016 stellt sich die junge Generation den Herausforderungen und Veränderungen der Bio-Branche in einem wachsenden Markt. Mittlerweile werden ca. 200 Hektar landwirtschaftliche Fläche bewirtschaftet und 70 Milchkühe gezählt. Vom Pfarrgut leben 2 Familien als Betriebsleiter und 20 angestellte Mitarbeiter. Der Hof ist Demonstrationsbetrieb in Netzwerk Ökolandbau und kann gerne besucht werden.
Quellen
Öffnungszeiten
Werktags: 7.00 - 18.00 Uhr
Samstag: 7.00 - 12.00 Uhr
Adresse
Hauptstraße 12
01665 Kipphausen OT Taubenheim