Rittergut Ebersbach, Döbeln

Hermann Vogelsang, 1929-1941

Kennzahlen 1936

Eigentümer

Hermann Vogelsang (1889 - 1943)

Landwirtschaftlich genutzte Flächen

146 Hektar

Viehbestand

14 Arbeitspferde, 8 Zugochsen,
15 Zuchtsauen, 159 Mastschweine und Ferkel,
37 Milchkühe, 34 Jungtiere, 302 Schafe

Zeittafel

1908 - Hermann Vogelsang heiratet Johanna Gansauge, Oberjahna

ca. 1920/21  - Kauf der Rittergutsanlage Ebersbach, Döbeln

1928 - Wahl zum Präsidenten der sächs. Landwirtschaftskammer

1929 - Umstellung auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise

1930 - Öffentliches Bekenntnis und Eintreten für den Bio-Landbau

1932 - Rücktritt als Präsident der sächs. Landwirtschaftskammer

1943 - H. Vogelsang verstirbt als Major d. Res. im Militärlazarett

1945 - Zwangsenteignung, keiner seiner Söhne überlebt den Krieg


Präsident der sächsischen Landwirtschaftskammer bekennt sich zum Bio-Landbau

Der durch seine Zuchterfolge bekannte Landwirt Hermann Vogelsang aus Ebersbach bei Döbeln war als Preisrichter und Präsident der sächsischen Landwirtschaftskammer deutschlandweit gefragt und hatte Anfang 1929 erstmals von der neuen Anbaumethode erfahren. Nachdem er sich bei einem schlesischen Betrieb von der Wirksamkeit der biologisch-dynamischen Spritzmittel im Zuckerrübenanbau überzeugen konnte, begann er noch im gleichen Jahr mit der Umstellung seines Betriebs. In öffentlichen Versammlungen von Landwirten setzte er sich für die neue Anbaumethode ein und war bereits 1929 auf der Dezembertagung des Versuchsrings in Bad Saarow als Gast präsent. Seine Anwesenheit bewirkte, dass der Versuchsring einen Anbauberater für Sachsen benannte, der ab Januar 1930 die Umstellung in Ebersbach fachlich begleitete.

Benno von Heynitz schrieb später zur weiteren Entwicklung des Betriebes in Ebersbach: „Nach Ebersbach kamen regelmäßig die Kommissionen, um die Getreidehochzuchten anzuerkennen. Es ergaben sich hierbei die merkwürdigsten Beobachtungen und Gespräche. Die Herren wollten in den meisten Fällen von der biologisch-dynamischen Wirtschaftsweise nichts wissen, oft waren sie ausgesprochene Gegner derselben. Hier in Ebersbach mussten sie anerkennen, dass die Feldbestände in Ordnung waren. An einzelnen Stellen machte Herr Vogelsang Schauversuche, indem er einige Feldstreifen nicht spritzte, oder ein Präparat mehrfach gab. Als nun die Anerkennungskommission den Feldrand entlang ging, fiel ihr an dieser Stelle sofort auf, dass der Bestand entweder niedriger oder höher war. Hier konnte Vogelsang unwiderlegbar auf die Wirkung der Präparate verweisen.“  Quelle: Benno von Heynitz 1951, S. 32 - 33

In seiner Funktion als "Administrator" (landwirtschaftlicher Berater) bewirkte Hermann Vogelsang, dass  u.a. auch das Rittergut Großböhla bei Dahlen auf die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise umgestellt wurde. 

Widerstand und Rückzug von öffentlichen Ämtern

Der Einsatz von Hermann Vogelsang für den damaligen Bio-Landbau stand im Widerspruch zu seiner Funktion als Präsidenten der sächsischen Landwirtschaftskammer, die in dieser Zeit eher die neuen chemischen Errungenschaften in den Bereichen Pflanzenhygiene und Pflanzenschutz propagierte. Das deutsche Kalysindikat finanzierte Referenten für öffentliche Vorträge, um auf die Gefahren der alternativen Anbauweise hinzuweisen. Im ersten Jahr der Internationalen Hygiene-Ausstellung Dresden 1930/31 war Hermann Vogelsang noch Mitglied des Ehrenausschusses. Die Landwirtschaftskammer gestaltete im Rahmen der Ausstellung den Themenbereich "Landwirtschaft" aktiv mit. 1931 findet sich sein Name nicht mehr auf der Mitgliederliste des Ehrenausschusses, 1932 tritt Hermann Vogelsang von seiner Funktion als Präsidenten der sächsischen Landwirtschaftskammer zurück. 

 

Quellen

  • Sonderführer der Gruppe Landwirtschaft, Internationale Hygiene - Ausstellung Dresden 1930, Herausgegeben von der Landwirtschaftskammer für den Freistaat Sachsen, Dresden 1930
  • Aus der Tätigkeit der Landwirtschaftskammer für den Freistaat Sachsen 1930 und 1931, veröffentlicht 1931
  • Aus der Tätigkeit der Landwirtschaftskammer für den Freistaat Sachsen 1932 und 1933, veröffentlicht 1933
  • Benno von Heynitz: Betriebsergebnisse des Jahres 1936, Zusammengestellt im Auftrag der Landesgruppe Sachsen im Reichsverband für biologisch-dynamische Wirtschaftsweise, Mai 1937
  • Benno von Heynitz: Die Biologisch Dynamische Wirtschaftsweise im Land Sachsen 1930 - 1945, Eigenverlag, 1951
  • Benno von Heynitz: Meine Erinnerungen als Landwirt (1912 - 1962), Eigenverlag, 1978

Adresse

 

Am Rittergut 1

04710 Döbeln OT Ebersbach

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